Gefühlsbildung. Zur Erziehung und Formung von Emotionen
Röttger-Rössler, Birgitt – 2019
Das Bedeutungsspektrum des Terminus ›Gefühlsbildung‹ umfasst sowohl Formen expliziter, gerichteter Erziehung und Beeinflussung von Emotionen als auch indirekte Prozesse der Formung von Gefühlen, die sich in alltäglichen sozialen Interaktionen vollziehen. Der Begriff basiert auf der Doppelsemantik von ›Bildung‹ als intentionale Erziehung (Ausbildung) sowie prozessuales Formannehmen (Herausbildung) und bezieht sich auf die Schnittfläche von Gefühlserziehung und -sozialisation. Unter ›Erziehung‹ wird in den Sozialwissenschaften die geplante, gesellschaftlich vorstrukturierte Beeinflussung von Kindern und Heranwachsenden durch Erwachsene verstanden, die mit dem Ziel erfolgt, diese zu vollwertigen Mitgliedern der jeweiligen Gesellschaft oder gesellschaftlichen Gruppe zu machen (vgl. Löw/Geier 2014).